Abdullah Borek - ein Nachruf

إِنَّا للهِ وَإِنَّـا إِلَيْهِ رَاجِعونَ

 

"Wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück."

(Koran 2:156)

 

Mit tiefer Trauer erfuhren die Muslime in Niedersachsen, dass Allah ta´ala am 12. März das lange Leben unseres so geschätzten und geachteten Bruders Abdullah Leonhard Borek zu Ende gehen ließ

 

Er wurde 1936 in Oberschlesien geboren, wuchs jedoch bei Celle auf und durchlief nach dem Krieg eine kaufmännische Ausbildung in der Hansestadt Hamburg, wo er in den Handelshäusern iranischer Kaufleute mit dem islamischen Leben nicht nur in Kontakt gekommen war, sondern 1957 den Islam als seinen Glauben annahm. Von da an führte er den islamischen Namen Abdullah neben seinen deutschen Rufnamen. Er gehörte damit zu einer Gruppe gebürtiger Deutscher, die in der frühen Nachkriegszeit auf der Suche nach Wahrheit und Lebenssinn zum Islam gekommen sind, einer Suche, die manchmal schnell und direkt, manchmal über Umwegen über andere Religionen und Ideologien verlief.

 

Ein Engagement für die kleine Gruppe deutscher und anderer Muslime ließ ihn und andere die später renommierte „Deutsche Muslim Liga“ (DML) gründen, dem ältesten Zusammenschluss deutschsprachiger Muslime der Nachkriegszeit, der er dann 1958 beitrat. Seine damalige Arbeit können wir heutigen Muslime gar nicht hoch genug einschätzen.

 

Jahre später führte ihn sein Berufsweg auf die arabische Halbinsel und von dort nach Mekka, wo er 1957 zum ersten Male die Hadsch vollzog. Darauf folgten berufliche Stationen in Ägypten, dem Irak und Jordanien. Von 1970 bis 1990 war er für diverse Großkonzerne für den nahöstlichen Markt verantwortlich und 1993–2003 wirkte Abdullah als selbstständiger Unternehmensberater in Bahrain und anderen arabischen Ländern. Auf Grund seiner erfolgreichen Arbeit ernannte ihn die Bundesregierung 1979 zum Honorarkonsul im Königreich Bahrein. Wie erfolgreich er dort für Deutschland tätig gewesen ist, zeigt die ihm 1998 verliehene Auszeichnung: das Bundesverdienstkreuz.

 

Trotz dieses Engagements blieb Bruder Abdullah stets den Muslimen in Hamburg und Deutschland verbunden, denn 1990 wurde er zum Vorsitzenden der DML gewählt, was er bis 1996 blieb. In tiefer Sorge um ihr Gedeihen publizierte er unter dem Titel „Al-Islam aktuell“ die allseits geschätzten Informationsblätter. 1999 folgte deren wesentliche Aussagen, insbesondere Fragen und Antworten zu Hunderten Themen muslimischen Alltagslebens zusammenfassend sein Buch „Islam im Alltag“. Mit dieser Handreichung für seine deutschen Brüder füllte Abdullah eine seit Jahren offene Wissenslücke, wofür ihm großer Dank gebührt.

 

Der Islam dieser frühen deutschen Muslime aus dem Bildungsbürgertum und der gesellschaftlichen Mitte findet im gegenwärtigen sozialen und politischen Diskurs noch zu wenig Beachtung. Mit ihren Bemühen, für einen "Islam mit deutschem Gesicht" zu werben, haben sie sich bisher nur wenig Gehör verschaffen können. Diese Aufgabe, an deren Fundament sie mitgewirkt haben, zum Erfolg zu führen, wird wohl der neuen muslimischen Elite, den Hochschullehrern und –absolventen der fünf neu gegründeten islamisch-theologischen Universitätsinstitute zufallen.

 

Sein Ableben reißt eine schmerzliche Lücke in die Gemeinschaft deutscher Muslime, deren Gebete ihn begleiten. Bruder Abdullah fand am 18. März dieses Jahres im Beisein seiner Familie, vieler Weggefährten und der Repräsentanten der Muslime in Deutschland auf dem Waldfriedhof in Celle seine letzte Ruhestätte.