Iftar Empfang: Gewalt gegen religiöse Minderheiten scharf verurteilt

Der Vorsitzende der Religionsgemeinschaft Schura in Niedersachsen, Recep Bilgen, hat gewalttätige Angriffe auf religiöse Minderheiten scharf kritisiert. „Wer andere Menschen aufgrund ihrer Religion angreift, hat keinen Platz in unserer Gesellschaft. Das ist unser Grundsatz und davon werden wir keinen Millimeter abweichen“, sagte Bilgen vor mehr als 200 Gästen beim Iftar-Mahl der niedersächsischen Schura in Hannover.

Iftar ist das Mahl, das die Muslime während des Fastenmonats Ramadan jeden Abend nach Sonnenuntergang einnehmen.

 

„Für uns spielt es keine Rolle, von wem die Gewalt ausgeht und gegen wen sie sich richtet“, machte Bilgen deutlich. Als Beispiele nannte er die Attacke gegen einen jungen Mann mit Kippa in Berlin und Pöbeleien und Angriffe auf Frauen, die ein Kopftuch tragen. Für Bilgen verbirgt sich hinter der Problematisierung von Religion und religiösen Symbolen in der Öffentlichkeit ein verzerrtes Religionsverständnis. „Unserem Verständnis nach kann Religion nicht abgeschottet von der Gesellschaft gelebt werden. Sie kann nicht einfach abgestellt werden, sondern ist Teil unseres Menschseins.“

 

Bilgen mahnte in seiner Rede die Politik, den Gesprächsfaden über einen sogenannten Islamvertrag nicht abreißen zu lassen. „Als Schura in Niedersachsen ist es unser erklärter Wille, diesen Staatsvertrag zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Wir sind weiter optimistisch, dass dies auch von der Mehrheit der Politik in Niedersachsen so gesehen wird.“ Bilgen hält den Staatsvertrag für unabdingbar für die Integration der Muslime in eine pluralistische Gesellschaft.

 

Gastrednerin Frauke Heiligenstadt, ehemalige Kultusministerin und jetzt zuständig für Haushalt und Finanzen in der SPD-Landtagsfraktion, ließ offen, ob es zeitnah zu einem Islamertrag kommen könnte. „Wir müssen uns noch mehr als bisher um eine breite gesellschaftliche und politische Zustimmung bemühen“, sagte Heiligenstadt. Die Ziele seien nach wie vor aktuell. Viele Punkte, die in einem Islamvertrag geregelt werden sollen, seien aber bereits heute Realität. „Wir müssen den Ängstlichen, Besorgten und vielleicht auch Zaudernden mitteilen, dass wir einen Großteil der Vertragsinhalte schon längst praktizieren“, sagte die SPD-Politikerin. Zugleich bekannte sie sich zum Ziel einer stärkeren Teilhabe der muslimischen Verbände, die durch den Vertrag erreicht werden soll.