Landesvorsitzender der Muslime distanziert sich von Antisemitismus

Bei der Auftaktveranstaltung der Reihe „Religionen im Gespräch“ am 16.02.2012

mit Landesrabbiner Jonah Sievers und Landesbischof Ralf Meister  distanzierte sich der SCHURA-Vorsitzende Avni Altiner vom Antisemitismus.

Der Vorsitzende des niedersächsischen Landesverbandes der Muslime, Avni Altiner, hat sich von islamischem Antisemitismus distanziert. „Der Koran selbst vertritt eigentlich keinen Antisemitismus“, sagte er am Donnerstagabend bei der Auftaktveranstaltung der neuen Reihe „Religionen im Gespräch“ in Hannover. In der heiligen Schrift der Muslime kämen auch die Propheten des Judentums und Jesus vor. „Und die sind Semiten.“

Allerdings trage der Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern dazu bei, dass es auch unter den Muslimen in Deutschland judenfeindliche Einstellungen gebe. Davon sollten sich die Muslime aber nicht leiten lassen, warnte Altiner: „Das ist nicht unser Konflikt, den sollten wir hier nicht austragen.

Wir sehen Deutschland als unser Heimatland.“ Der geplante islamische Religionsunterricht an Schulen, der in Niedersachsen im kommenden Jahr flächendeckend beginnen soll, könne dazu beitragen, Vorurteile abzubauen.

Auch für den hannoverschen Landesbischof Ralf Meister ist Bildung der Schlüssel für ein friedliches Zusammenleben der Religionen. „Alle Religion steht in der Gefahr, wenn sie ungebildet bleibt, fundamental zu werden“, sagte der evangelische Theologe. Der Islam müsse zu einem aufgeklärten Verständnis seiner selbst kommen und seine Tradition hinterfragen. „Das wünsche ich mir noch sehr viel deutlicher, als ich es in den islamischen Gemeinschaften bisher erfahren habe.“

Der jüdische Landesrabbiner Jonah Sievers aus Braunschweig sieht im Nahost Konflikt das größte Hindernis für einen Dialog zwischen Juden und Muslimen.

„Da muss man dicke Bretter bohren.“ Es sei ratsam, dieses brisante Thema erst einmal eine Zeit lang auszuklammern. „Sonst kommt es gar nicht erst zu einer Begegnung.“ Irgendwann müsse es zwischen Juden und Muslimen aber angesprochen werden, weil es das Verhalten beider Seiten beeinflusse.

Mit der neuen Veranstaltungsreihe will die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers das Gespräch zwischen den Religionen vertiefen. Im bundesweit einzigartigen „Haus der Religionen“ in Hannover soll es dazu fünf Veranstaltungen im Jahr geben.

 

Quelle: Evangelische Pressedienst

Mitschrift des Gesprächs auf www.religionen-im-gespraech.de