Zeichen der Solidarität

 

 

Rede von Recep Bilgen am 22.03.2018 (Vorsitzender der Schura Niedersachsen) Anlässlich der Gedenkveranstaltung an die Opfer des Terroranschlags in Neuseeland

 

 

Lieber Geschwister, liebe Freundin und Freunde.

Die Terroranschläge auf unsere Muslimischen Geschwister im neuseeländischen Christchurch haben uns alle sehr schockiert. Es ist für uns sehr schwierig die richtigen Worte zu finden und auch die eigene Gefühlslage zu beschreiben.  Ich kann nicht in Worte fassen, wie ich mich gefühlt habe, als ich in den Nachrichten davon gehört habe. Blitzartig sind mir mehrere Gedanken durch den Kopf gegangen.

Ich habe an die Menschen gedacht, die bei diesem Angriff ums Leben gekommen sind oder auch verletzt wurden. Erwachsene und Kinder, Frauen und Männer, die unschuldig arg und wehrlos waren. Sie starben oder wurden verletzt, weil sie zur Zielscheibe von Hass und Gewalt wurden.

Ich musste aber auch an den Täter denken. Ich habe mich gefragt: Wie stark muss sein Hass wohl gewesen sein? Wo und wie mag er sich wohl radikalisiert haben? Was war sein Ziel?

Lieber Geschwister, liebe Freundin und Freunde.

das Pamphlet des Täters gibt uns eine ungefähre Antwort auf diese Fragen. Er hat sich radikalisiert, weil er sich wirren Verschwörungstheorien hingegeben hat, die inzwischen auch bei uns immer mehr verbreitet werden. Sein Hass wuchs und wuchs durch die tägliche Dosis der Islamfeindlichkeit, die täglich über diverse Medien übertragen werden – mal offen, mal zwischen den Zeilen.

Sein Ziel war es, die Gesellschaft zu spalten, Angst und Schrecken zu verbreiten. Er hat seine Untaten live im Internet gesendet, um möglichst viele Menschen zu erreichen, vermutlich auch um potenzielle Nachahmer zu motivieren. Viele Medien haben dieses Spiel durchschaut, das reichweitenstärkste Blatt Europas aber leider nicht.

Aus Christchurch müssen wir alle die richtigen Schlüsse ziehen. Wir müssen uns Hass und Gewalt überall entgegenstellen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Hass gesät wird. Wer wegkuckt, wird seiner Verantwortung nicht gerecht.

Wir müssen mit einer Stimme sprechen und deutlich machen, dass Hass und Hetze keinen Platz bei uns haben.

Denn wir alle sind ein Teil der Gesellschaft!

Wir alle, mit all unseren Unterschieden und Differenzen sind am Ende nur Menschen.

Deshalb lassen Sie uns gemeinsam aktiv gegen die Spaltung unserer Gesellschaft, gegen Rassismus, gegen Antisemitismus und gegen die Islamfeindlichkeit stellen.

Lassen Sie uns, unsere gemeinsamen Werte, der Achtung des Friedens und des Respekts, vor jedem Menschen, egal welcher Herkunft, welche Religion oder Weltanschauung er hat, verteidigen.

In diesem Sinne möchte ich mich ganz herzlich für den heutigen Besuch und des Zeichens der Solidarität und der Anteilnahme mit uns bedanken bei

-       Dem Niedersächsischen Innenminister, Herrn Pistorius

-       Der Integrationsbeauftragte der Niedersächsischen Landesregierung, Frau Doris Schröder-Köpf

-       dem Oberbürgermeister der Stadt Hannover, Herrn Schostok

-       Der Superintendentin der evangelischen Kirche Frau Wallrath-Peter

-       Vertreter des Bischofs des Bistum Hildesheim, Probst Martin Tenge

-       Den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der FDP, Herr Bode

-       Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Niedersächsischen Landtag, Frau Piel

-       Dem Abgeordneten des Niedersächsischen Landtags der Grünen, Herrn Önay

-       Dem Polizeipräsidenten von Hannover, Herrn Kluwe

-       Die stellvertretende Regionspräsidentin, Frau Rudszuck

-       Und insbesondere bei dem Landesvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Herrn Michael Fürst, für sein Einsatz, dass er sich für das Zustandekommen des heutigen Tages eingesetzt hat.

Dieser Besuch bedeutet uns sehr viel. Und ich hoffe und wünsche mir, dass wir uns in Zukunft gegenseitig viel häufiger besuchen, gerne auch zu erfreulichen Anlässen, aber auch mal ohne konkreten Anlass – wie unter Freunden.

 

Es gilt das gesprochene Wort