Zur Entstehung der SCHURA Niedersachsen

Im Sommer 2001 hatte sich die Mehrzahl der muslimischen Or­ga­­nisationen Niedersachsens zweck­orien­tiert zusammengetan und den „Arbeits­kreis Islamischer Religionsunterricht“ gegründet. Schon ein halbes Jahr später sind Niedersachsens Muslime weiter zusammengerückt. Nicht weltpolitisch thematisierte Ereignisse oder innenpolitische Sorgenfalten bildeten den Hintergrund sondern das gewachsene Vertrauen der muslimischen Gruppen untereinander auf der einen Seite, die Erkenntnis über das zur besseren Integration Vernünftige auf der anderen Seite, besonders aber der zunehmende Druck von Seiten der muslimischen Eltern auf ihre Moscheegemeinden und Verbände und der Wille zur Verwirklichung des islamischen Religionsunterrichts an den Schulen im Sinne von Art. 7 Abs. 3 GG. Im Jahre 2002 wurde dann auf einer breiten verbandlichen Basis „Schura Niedersachsen“ als Landesverband der Muslime in Niedersachsen gegründet und beim Amtsgericht Hannover als Verein eingetragen. Ein zunächst 17-, heute 13-köpfiger Vorstand und eine klare innere Struktur wurden geschaffen. Dabei wurden bereits die Erfahrungen anderer islamischen Landesverbände sowie die umfangreiche juristische Literatur zu den religionsverfassungsrechtlichen Anforderungen an eine Religionsgemeinschaft herangezogen.

 

Die Schura Niedersachsen ist als korporativer Landesverband konzipiert, er umfasst nur in Niedersachsen eingetragene Vereine. Die Schura soll die religiöse Basis, also die Orts- oder Moscheegemeinden repräsentieren. Vertretene Richtungen: Sunniten und Schiiten; häretische Gruppen haben dagegen eigene Organisationen entwickelt. Mitglieder sind sowohl eine große Anzahl türkischer Gemeinden, als auch Hochschulgruppen und Gemeinden afghanischer, arabischer, bosnischer, pakistanischer, iranischer und deutscher Zusammensetzung. Zur Voll­endung der Schura ist es noch ein gewisser Weg, denn die Satzung verlangt den Vereinsstatus der Mitglieder. Einige an der Mitgliedschaft interessierte Moscheegemeinden müssen sich dazu noch als Vereine eintragen lassen; ein nicht für alle ganz schneller Weg. 2015 hat die Schura Niedersachsen bereits 92 Mitgliedsvereine.

 

Deutlich wird an dieser selbst gewählten Struktur der Schura Niedersachsen und dies gilt ähnlich auch für mehrere andere Bundesländer (BW, H, HH, HB, SH), dass die Muslime in Deutschland zwar noch vielfach an die Organisationen herkunftsländischer Identität gebunden sind, zugleich aber begonnen haben, Strukturen entlang des föderativen deutschen Staatsaufbaus zu bilden. Darin drückt sich deutlich eine Hinwendung zur Zukunft als Religionsgemeinschaft auch im verfassungsrechtlichen Sinne im deutschen Staate aus.

 

Seit Ende 2011 werden die Muslime in Niedersachsen bezüglich des islamischen Religionsunterrichts durch den vom niedersächsischen Kultusministerium anerkannten „Beirat“ vertreten, ein Kooperationsbündnis der Schura Niedersachsen und dem DITIB-Landesverband.